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Der klassische britische Einzylinder Veloce Ltd, Birmingham
Familie Goodman Zweitakter Viertakter Die hohen Produktionskosten der K-Motoren veranlassten das Werk in den krisengeschüttelten Dreissigern die Stosstangen M-Motoren zu bauen. Sie waren nicht nur günstiger in der Herstellung, auch der Velocette Besitzer profitierte vom einfacheren Unterhalt. Der M-Motor fand Verwendung bis zur Schliessung des Werks 1970. In seiner letzten Version im Spitzenmodell Venom Thruxton leistete der Einzylinder 41 PS. Rennen Nachkrieg Die Weiterentwicklung des MSS Motors führte zu den beiden Modellreihen Viper mit 350 ccm und Venom mit 500 ccm. Ab 1956 sollten sie die tragenden Säulen des Motorradgeschäfts werden. Mit Viper und Venom brach Veloce erstmals die Tradition seine Modelle nur mit nackten Buchstabencodes zu bezeichnen. Beiden Modellen gemeinsam war der skurile Fischschwanz-Auspuff und die lastabhängig einstellbaren hinteren Stossdämpfer. Veloce verkaufte Viper und Venom in verschieden Varianten die sich Special, Clubman oder Veeline nannten. Clubman bedeutete rennmässiges Zubehör wie zurückgesetzte Fussrasten und Stummellenker, um die "Velo" eben an Clubrennen einzusetzen. Die Viper/Venom Veeline muss eins der ersten serienmässigen Motorräder mit Verschalung gewesen sein. Die Ende 1964 vorgestellte Venom Thruxton erhielt den bisher stärksten M-Motor und alle rennmässigen Goodies die sich der Liebhaber sonst zukaufen musste. Besonders erwähnenswert die von John Tickle entworfene Zweinockenbremse im Vorderrad und der gewaltige Amal GP Vergaser der im schön geformten Tank einen Ausschnitt erforderte. Die Thruxton gab es anfangs nur in der Farbkombination Silber/Blau, doch die Fans verlangten und bekamen das klassische Velocette-Schwarz mit Goldfilet. Die Thruxton dürfte heute das gesuchteste Velo Modell sein. Zwei Besonderheiten der Viertakter plagten über Jahrzehnte alle Velo Fahrer. Die viel zu kleine Übersetzung des Kickstarters konnte den Startvorgang für Ungeübte zum Alptraum werden lassen. Das zweite Übel betraf die Kupplung, eine geniale Konstruktion, aber schwierig einzustellen und an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit in den Venom und Thruxton Modellen. Die M-Motoren mit Kegelrollen gelagerter Kurbelwelle bauten sehr schmal, die Kettenlinie zum Hinterrad erforderte daher ein ausserhalb der schmalen Kupplung plaziertes Kettenritzel. Scrambler Rennen Rekorde ![]() Konkurs In jenen schwiereigen Jahren vor dem Ende diskutierten die Veloce Direktoren auch den Import japanischer Maschinen, eine Möglichkeit wäre Yamaha (!) gewesen. Aus heutiger Sicht natürlich ein katastrophaler Fehlentscheid bei Yamaha nicht zugegriffen zu haben. Ein Lichtblick war der Ami Floyd Clymer. Der kaufte Venom Motoren und liess sie in Italien bei Ital in ein modernes Fahrwerk einbauen. Clymer taufte sein englisch/italienisches Kind "Indian Velo 500". Unglücklicherweise verstarb er 1970 und ohne seinen Drive versandete das Indian Projekt. Nur wenige wurden fertiggestellt, Restbestände kaufte der damals bekannte Londoner Velocette Händler Geoff Dodkin auf. Also, wenn du lieber Leser ein wahres Kleinod von Chlopfer suchst ... Letzte verzweifelte Versuche von Veloce in anderen Branchen Fuss zu fassen schlugen alle fehl. Der veraltete Maschinenpark und die desolate Infrastruktur des Werks schreckten potentielle Auftraggeber in einigen Fällen ab. Mitte der Sechziger schossen Hovercraft (Luftkissenfahrzeuge) Firmen wie Pilze aus dem Boden und alle suchten leichte, unkomplizierte und leistungsstarke Antriebe für Auftrieb und Luftschraube. Nichts lag näher als der Töffmotor, der Velocette LE Boxermotor war vom Konzept her besonders vielversprechend. Irgendwie schafften es diese Firmen nicht, den Visionen der Journalisten gerecht zu werden und so beruht auch heutzutage die Massenmotorisierung immer noch auf vier oder zwei Rädern und nicht auf den vielgepriesenen Luftkissenfahrzeugen. Die meisten Hovercraft Firmen schlossen ihre Tore schneller, als sie sie geöffnet hatten. Die Produktionsrechte und der Name Velocette gingen 1971 an Matt Holder der bereits die Rechte von Scott und Vincent besass. Seine Firma "The Velocette Motor Cycle Company" ist in einem ehemaligen Gebäude von Triumph in Meriden untergebracht. Sohn David produziert und vertreibt heute Ersatzteile für Scott, Vincent, Triumph und Velocette Maschinen. Die Goodmans waren immer ehrliche, aufrechte Geschäftsleute die sich nur mit technisch einwandfreien Lösungen zufrieden gaben. Schon ihre ersten Töffs zu Beginn des Jahrhunderts wurden mit Drucköl geschmiert. Sie bauten 1929 die ersten Zweitakter mit lastabhängiger Getrenntschmierung und tüftelten die erste brauchbare Fusschaltung aus. Weitere Highlights ihres Ideenreichtums waren der Doppelsitzbank, die hintere Schwinge, die Velocette-Kupplung, die lastabhängig einstellbaren hinteren Stossdämpfer und die schrägverzahnten, leise laufenden Steuerräder. Die Arbeiter im Werk verbrachten oft ein halbes Leben bei Veloce. Sie galten als besonders loyal und waren stolz bei dieser angesehenen Firma arbeiten zu können. Sie präparierten Ausstellungsmodelle und Rennmaschinen in Überzeit und an Wochenenden - alles zu den miesesten Löhnen der Branche. In den Nachkriegsjahren bekundete Veloce erhebliche Mühe qualifiziertes Werkstattpersonal zu finden. In seinem Buch, "My Velocette Days" schildert Len Moseley aus der Werkstattperspektive die Höhen und Tiefen von Veloce Ltd. Len Moseley stellte man nach 47 Jahren Tätigkeit bei Veloce gnadenlos auf die Strasse. Als 61-jähriger, ohne Sozialplan, stand er wie viele andere langjährige Mitarbeiter praktisch vor dem nichts. Die Tieflohnpolitik seines Arbeitgebers hatten es ihm nie ermöglicht grössere Ersparnisse auf die hohe Kante zu legen und so fragt er sich, nicht ohne Bitterkeit, am Schluss seines Buches, war es richtig all die Jahre bei Veloce auszuharren. Die engen Platzverhältnisse und der chronisch überalterte Maschinenpark verhinderten es über Jahrzehnte, die Stückzahlen zu produzieren, die die Kunden verlangten. Von den wöchentlich anvisierten 300 LEs wurden nie mehr als die Hälfte gebaut. Die Einführung der LE veranlasste indirekt die Einstellung der K-Produktion. Dies haben die wahren Velocette Enthusiasten der Firma nie verziehen. An der jährlichen Earls Court Show in jenen Jahren mussten die Standleute von Velocette gar manch' gehässigen Kommentar einstecken. Diese Blechbanane von LE konnte doch kein Ersatz sein für die K-Modelle mit ihrem prächtigen OHC Motor. Clubs |
Eine LE beim Sammy Miller Museum. Eigentlich war die LE weiss. |
Boxermotor,
Wasserkühlung und Kardanantrieb. Sie war ihrer Zeit
voraus |
The NodThe NDer 200 ccm Boxermotoroddy Bikedy The Noddy Bike |
The Noddy Bike |
6.11.2010, Roli mit KTT 350, Mach IV von 1933. |
Königswelle, offenliegende Ventile mit Haarnadelfedern und drahtgesicherte Schrauben. |
Mechanik pur! |
Sepp Schnyder am Bergrennen Blonay 1966. |
Sepp Schnyder, KTT 350, an einem Bergrennen in den 1960er Jahren. |
Isle of Man 1970, eine 500er Thruxton in Port Erin. |
Eine Venom Thruxton 500 im National Motorcycle Museum in Bickenhill (Birmingham). |
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Die wichtigsten Viertaktmodelle von
Veloce Ltd. Bücher Clubs |
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Schnitt durch den Venom Motor. Aus "Velocette: Viper, Venom, Thruxton 1956-1970", Niton Publishing. |
Eigene Erlebnisse/Begegnungen mit
Velocette Besuch bei Veloce Ltd. mit Edgar in
Hall Green, Birmingham, Oktober 1969 |
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Text und Bilder Robert Pfeffer |