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Auf dem Col de l'Iséran



Tour in die Ardennen

  • Von Verdun zum Tal der Semoy in Belgien

Der südliche Teil der Ardennen ist ein ausgesprochenes Waldgebiet. Der grösste Teil dieses Gebirges liegt in Belgien. Unter Gebirge dürfen wir uns aber nichts alpenähnliches vorstellen, die höchste Erhebung ist der Croix de Scaille mit 502 m. Ein Besuch von Verdun im Herbst gab mir Gelegenheit die Ardennen in einer Tagestour zu "erfahren".

Ab Verdun folge ich den Schildern "Vaux", "Douaumont", "Champs de Bataille 14-18". Nach drei Kilometern in Richtung Etain biegt man auf einer Anhöhe des Fôret de Verdun links ab auf die D913. Diese Strasse führt zu den bekannten Festungen Vaux und Douaumont aus dem 1. Weltkrieg. Leichter Nebel liegt noch im Wald von Verdun. Die Strasse ist leer, um neun Uhr morgens sind noch keine Touristen unterwegs, die sich im Herbst ohnehin rar machen. Einsam, kalt und verlassen wirkt die Totenhalle (Ossuaire) von Douaumont im vorbeiziehen. Diese bekannten Gedenkstätten der Schlacht von Verdun hatte ich bereits am Vortag besucht.

Bras-sur-Meuse, Vacherauville sind die nächsten Dorfer. Das sind Dörfer die noch existieren. Allenthalben treffe ich auf Wegweiser mit dem Hinweis "... ville detruit", dies sind Ortschaften die bei den schweren Kämpfen um Verdun vom Artilleriefeuer eingebnet wurden. Bei Vacherauville geht es rechts weg, auf die D905 und erneut durch den Wald von Verdun. Der würde in den schönsten Herbstfarben leuchten, wenn nur der Nebel der Sonne weichen würde. Je weiter ich nach Norden fahre, je kälter wird es.

Nach zügigem Ritt über die schwach frequentierten Landstrassen erreiche ich um elf Uhr Sedan am Fuss der Ardennen. Inzwischen hat die Sonne den Nebel aufgelöst und es macht den Eindruck, dass es noch recht warm werden könnte. Jedenfalls spannt sich ein stahlblauer, von keinem Wölkchen getrübter Himmel über die Stadt. Diese war während des Krieges 1914-18 in Deutscher Hand. Die Sehenwürdigkeit der Stadt ist das Château fort, die grösste Burganlage Europas. Die Burg entstand im Lauf des 15. Jh., sie erfuhr im 16. Jh. Erweiterungen und Verstärkungen. Ihre Mauern sind nicht weniger als dreissig Meter hoch. Der Eintritt sollte FF 30.- kosten, doch trotz grosser Schilder zum Eingang finde ich den Eingang verschlossen vor. Laut den angeschlagenen Öffnungszeiten müsste die Burg offen sein. Na, ja, Monsieur le curateur geruht heute nicht zu arbeiten. Immerhin, der Aufgang zum Schlosshof ist offen.

Der Trip führt auf der verlassenen N58 in Richtung Belgischer Grenze. An der Grenze kein Zöllner, kein Mensch. Der freie Personenverkehr à la EU. Vor Bouillon schwenke ich in die N89 ein auf der ich bis Menuchenet düse. Die Gegend scheint der abgelegenste Zipfel Belgiens zu sein. Du kommst dir verloren vor, so allein auf einer vierspurigen Strasse im Ardennenwald. Szenenwechsel in Menuchenet. Von der vierspurigen Rennpiste auf die gewundene Gasse des Semoy Tal.

Von der belgischen Grenz bis zur Mündung in die Maas (Meuse) zeichnet die Semoy ihre Maänder in den Wald. In diesem Tal gibt es nur wenige Ortschaften. Die früher zahlreichen ansässigen Nagel- und Schraubenschmiede sind heute verschwunden. Die Semoy mündet bei Monthermé in die Maas die dort eine Schleife macht. Die Altstadt liegt in der Schleife, der neue Stadtteil am rechten Ufer. Damit ist das Kurvenfestival aber noch nicht zu Ende. Der Weg folgt nun dem nicht minder gewundenen Lauf der Maas bis nach Revin. Vor Revin passiert der Höhenzug "les Dames de Meuse". Dieser hat seinen Namen von der Legenden die besagt, dass dort drei untreue Damen zur Strafe versteinert wurden.

Revin ist der Wendepunkt dieser Tour. Südwärts geht die Fahrt nach Charleville-Mézières und per Autobahn zurück nach Sedan das ich um zwei Uhr erreiche. Ein "offizielles" Mittagessen stand nicht im Tourprogramm, irgendwo an der Semoy liess ich mich zum Picknick nieder. Von Sedan nach Verdun will ich natürlich nicht den selben Weg Fahren wie ich gekommen bin. Am besten verlässt man die Autobahn bei der Ausfahrt Sedan Center und biegt an der Kreuzung links ab in Richtung le Chesne, Vouzier. Bei Vouzier nicht über die Brücke der Aisne, sondern vor der Brücke links, Richtung Stenay. Nach fünf Kilometern rechts abbieben nach Grandpré. Das ist der Forêt de la Croix aux Bois. Im Laufe des Nachmittags ist ein kalter Wind aufgekommen, den ich bei uns als Bise bezeichnen würde.

Bei Saint Juvin folge ich dem Wegweiser "American Cemetary" (Amerikanischer Soldatenfriedhof) der an der Strasse von Romagne nach Cunel im Argonner Wald liegt. Auch wenn die Gegend so heisst, es ist beileibe nicht alles Waldgebiet. Auch dieses Gebiet war Schauplatz erbitterter und verlustreicher Kämpfe im 1. Weltkrieg. Auf den Hügeln Höhe 304 (Côte 304)und Toter Mann (le Mort Homme) sind Monumente zum Gedenken der Opfer errichtet. Den Friedhof hab' ich schnell gefunden. Eine seltsame Stille liegt über dem Ort. Die Gefallenen ruhen in tadellos gepflegter Umgebung.

Es ist später Nachmittag, bei Bras sur Meuse passiere ich noch einen französischen Soldatenfriedhof, aber ich ziehe weiter nach Verdun. In der Oberstadt bei der Kathedrale sichtete ich am Vortag eine Jugi. Also, mal sehen ob da noch was frei ist. Leider nicht, alles besetzt mit Schulen. So zieh' ich denn weiter, mit hundertzwanzig in Richtung Heimat. Knapp vor dem Dunkel werden schaff ich noch Pont a Mousson an der Mosel.

Touren-Info
Tourenziel: Ardennen/F/B
Distanz, Dauer: 390 km ab Verdun, Tagestour
Einreiseformalitäten: Pass oder ID
Geld: Französische Francs, FF 100 = SFR 24.-

Strecke
Verdun Vaux Douaumont Bras-sur-Meuse Vacherauville Damvillers Jametz Montmédy Carignan Douzy Sedan Bouillon Menuchenet Rochehaut Vresse Membre Bohan Monthermé Revin Charleville-Mézières Sedan Tannay Le-Chesne Vouziers Grandpré St-Juvin Romagne-sous-Montfaucon Cunel Nantillois Montfaucon Malancourt Côte-304 Esnes-en-Argonne Chattancourt Le-Mort-Homme Marre Verdun

Sehenswürdigkeiten
Vaux: Festung
Douaumont: Festung; Ossuaire (Totenhalle)
Montmédy: Befestigte Oberstadt; Stadtmauern; Festungsgeschichtliches- und Bastien-Lepage-Museum
Bazeilles: Haus der letzten Patrone, Schloss
Sedan: Grösste Festungsanlage Europas aus dem 15 Jh.; Fürstenpalast
Mont Dieu: Ehem. Karthause im Argonner Wald
Le Chesne: Ardennenkanal mit Schleusen
Vouziers: Kirche St-Maurille
Romagne-sous-Montfaucon: Amerikanischer Soldatenfriedhof
Butte Montfaucon (Höhe Montfaucon): Mit 336 m höchster Hügel im Umkreis, wichtiger Beobachtungsposten der Deutschen in der Schlacht um Verdun
Côte 304 (Höhe 304): Gedenkstätte mit Monument
le Mort-Homme (Toter Mann): Gedenkstätte mit Monument

Karte
Michelin 241 1:200'000
Reiseführer: Michelin: Elsass, Vogesen, Champagne


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Text und Bilder Robert Pfeffer
CH-8194 Hüntwangen

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