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Tour zum SRX-Treffen

Diverses zum Töff


Durch Schwarzwald, Mosel- und Rheintal

  • Zum Treffen der SRX-Connection in Niederbreitbach/D

Es war 1995 als ich erstmals von der SRX-Connection in einem deutschen Heftli las. Irgendwo in der "Prärie" Norddeutschlands sollen sie sich getroffen haben, die Freunde des urigen 600er Yamaha-Strasseneinzylinders. Als Besitzer eines 89er Modells versuchte ich in der Folge vier Jahre lang vergeblich mit den SRXlern in Kontakt zu gelangen. Dann, im letzten April, aus heiterem Himmel ein E-Mail von Steffen Leimroth aus Karlsruhe: Eine Einladung ans nächste SRX-Treffen vom 11. bis 13. Juni 1999 in Niederbreitbach bei Neuwied. Da hatte doch tatsächlich einer auf meiner Home Page von der SRX gelesen. Ich musste hin.

Unter Einbezug zweier Ferientage plante ich alsbald eine Tour durch Schwarzwald und Moseltal. Der Start sollte am Donnerstag erfolgen, die Ankunft in Niederbreitbach am Freitag oder Samstag und die Rückreise am Sonntag via Autobahn. Niederbreitbach liegt in der Pfalz, ca. 30 km nördlich von Koblenz/D (nicht zu verwechseln mit unserem Koblenz im Aargau).

Zeitig am Donnerstag, 10. Juni, machte ich mich auf den Weg. Noch am Dienstag hatte ich gezögert, bei dem Regen verspürte ich keine Lust auf hunderte von Kilometern auf der unverschalten SRX. Als aber am Mittwoch die Wetterdienste auf dem Internet markante Besserung versprachen, war mein Entschluss gefasst.

Auf der E500 düse ich Richtung Norden, vorbei an der Schluchsee Talsperre, nach Titisee zum Kaffeehalt. Zum Besichtigen gibt es vorerst nichts, erst in Triberg wird bei der angeblich weltgrössten Kuckucksuhr angehalten. Das Uhrwerk ist in einem kleinen Haus untergebracht. Die Holzzahnräder haben Durchmesser um die zwei Meter, das Pendel ist über zwei Meter lang. Angetrieben wird das Ding von einem 70 kg schweren Gewicht, das täglich von einem Elektromotor im Dachstock hochgezogen wird. Der Kuckuck hat die Grösse eines mittleren Hundes und sein Ruf erschallt per Blasebalg. Im Innern des Uhren-Hauses, neben dem riesigen Werk, arbeitet der Meister an Kuckucksuhren von herkömmlicher Grösse.

Das Freilichtmuseum in Gutach lass' ich links liegen und ziehe weiter durchs Wolfachtal. Freudenstadt umfahre ich in westlicher Richtung über Bad Rippoldsau-Kniebis. Bis Baden Baden folge ich den Bögen der Schwarzwald-Hochstrasse. Dort endet der Kurvenplausch vorerst. Bei Rastatt fahr ich widerwillig auf die Bahn, um Karlsruhe zu umfahren. Ab Landau ist die allgemeine Richtung Nordwesten, dem Hunsrück zu. Kurz nach 17 Uhr erreiche ich Morbach an der Hunsrück-Höhenstrasse. Die Jugi hat noch ein Bett, sprich Zimmer, frei und schon ist Mann und Maschine für die Nacht versorgt. Parkplatz, Übernachtung, Nacht- und Morgenessen kostet gerade mal DM 28.50!

Morbach liegt an der Hunsrück-Höhenstrasse die sich über 95 km aus der Gegend von Trier bis gegen Koblenz erstreckt. Das bedeutet nun nicht enge Bögen und Kehren, sondern weit geschwungene Strassenführung vergleichbar mit der E500 im Schwarzwald. Der Freitagmorgen ist der Höhenstrasse und Trier gewidmet. In der Stadt an der Mosel habe ich Mühe die Altstadt mit der bekannten Porta Nigra aus der Römerzeit zu finden. Es erinnert mich an Zürich, Abbiegen verboten, Wenden verboten, Fussgängerzone, Einbahnstrassen und rote Ampeln zu Hauf. Nur kein Wegweiser zur Porta Nigra. Da bleibt nur eins, Töff hinstellen und zu Fuss auf Erkundungstour. Bereits nach einer Viertelstunde stehe ich vor dem römischen Bauwerk das einst im 2. Jahrhundert das Nordtor der Stadtmauer darstellte. Es ist das bedeutendste römische Bauwerk auf deutschem Boden.

Ein kleiner Imbiss auf dem Marktplatz und schon hänge ich wieder am Kickstarter der SRX, um ihr Leben einzuhauchen. Das Moseltal mit seinen unübersehbaren Weinbergen, Weingütern, Weinproben und Weingasthöfen wartet. Auf die Weinprobe muss ich aus verständlichen Gründen verzichten, nicht aber auf die tolle Landschaft und die Kurven entlang dem Lauf der Mosel. Wettermässig muss ich zufrieden sein, bisher kein Tropfen Regen. Am Morgen jeweils frisch und am Nachmittag angenehme Temperaturen.

Mann und Stahlross kommen auf dem verkehrsarmen Strassen gut voran. Im Laufe des Nachmittags ist Koblenz erreicht. Nun heisst es den Anweisungen in Steffen Leimroths E-Mail zu folgen, um die sagenhafte SRX-Connection zu finden. Eine Stunde später bin ich in Niederbreitbach im Wiedtal, 12 km nördlich von Neuwied. Nur, wo soll da ein Töff-Treffen sein? Kein Töff weit und breit, kein Wegweiser, kein Schild, kein Mensch, kein Nichts! Soll das ein Witz sein? Habe ich mich im Datum geirrt? Hat mich gar einer mit einem einfachen E-Mail in die Wüste geschickt? Es darf nicht wahr sein. Konsterniert wird Kehrtum gemacht und zurück nach Koblenz gedüst. Was nun? Aber klar doch. Das Rheintal zwischen Koblenz und Bingen ist die schönste Gegend um den Rhein. Beidseits des Flusses führt eine Strasse dem Ufer entlang. Da musst du unbedingt eine Runde drehen. Koblenz-Bingen-Koblenz ist um die 150 km.

In der Abendsonne fahre ich dem linken Rheinufer entlang bis nach Oberwesel. Dort ist die Jugi noch komfortabler und an bevorzugter Hanglage neben dem Burghotel Schönburg. Das Abendessen wird in einem kleinen Saal eingenommen. Ich setze mich an den Tisch zu einer ziemlich alten Dame die mir einen Gruss zumurmelt. An den Nebentischen toben zwei oder drei Klassen von Primarschülern. Einer der Lehrer versucht vergeblich Ruhe zu schaffen. Plötzlich beugt sich die alte Dame zu mir und sagt laut und deutlich: "Organisationstalent gleich Null!"

Früh am Samstagmorgen liegt der Rhein noch im Nebel. Dieser lichtet sich nach dem Morgenessen unter der strahlenden Sonne. In Bingen, der Stadt in der die erste deutsche Mystikerin, Hildegard von Bingen, wirkte, steht auf einem Hügel die Burg Klopp. Von dieser Anhöhe hat man eine schöne Aussicht auf die Stadt und den Rhein. Ja, halt. Wo ist denn nun die Brücke über den Rhein? Da habe ich wieder mal die Karte nicht genau studiert. Anstelle der Brücke finde ich dafür eine Autofähre die mich für DM 3.50 ans andere Ufer bringt. Und jetzt dem rechten Rheinufer entlang zurück nach Koblenz. Auf beiden Uferstrassen hat man Mühe sich auf die Strasse zu konzentrieren. Die Landschaft ist fantastisch. Lastkähne und Ausflugsschiffe auf dem Rhein, malerische Ortschaften den Ufern entlang und eine Burg nach der andern auf den Hügeln.

Um die Mittagszeit bin ich zurück in Koblenz. Also, ich gebe den SRXlern noch eine letzte Chance. Nochmals nach Neuwied und ins Wiedtal. In einem waldigen Abschnitt lege ich eine Pinkelpause ein und stelle die SRX an den Strassenrand. Die Stille des Tals wird unerwartet durch ein anschwellendes Röhren und Knattern gestört. Wie ein Geisterzug braust eine Kolonne von Einzapfern vorbei und entschwindet in Windeseile um die nächste Kurve. Das ist sie, die SRX-Connection! Nach vier Jahren endlich gefunden.

Das Treffen befindet sich auf der hintersten Wiese des Niederbreitbacher Campingplatzes. Später erfahre ich vom Organisator Jürgen Buhr, dass Jugendliche alle Hinweispfeile abgerissen hätten und das Treffen sehr wohl schon am Freitag eröffnet worden sei. Jedenfalls bin ich nun rechtzeitig am Ort, um gleich die nachmittägliche Ausfahrt unter die Räder zu nehmen. In TT-Manier brausen wir, das sind um die zwanzig Chlopfer und Steffens RG 500, kreuz und quer durch Feld und Wald, durch Dorf und Kaff, über Berg und Tal. Klar, dass da einige Verkehrsregeln sehr grosszügig ausgelegt werden. Auch akustisch geht die Post ab. Die Hälfte der Töffs dürfte mit "Schalldämpfern" von Fremdherstellern versehen sein. Erst beim Halt im Brauereiausschank kann ich Bekanntschaft mit den Teilnehmern machen. Die meisten sind aus der BRD, fünf aus Holland und drei aus Belgien. Aus der Schweiz bin ich der einzige.

Maschinenmässig stellen die SRXen der 1. Generation (1986-89) den Hauptharst. Ich zähle 21 SRXen der ersten und zweiten Generation, 1 MuZ 660, 1 Guzzi Falcone, 1 Honda FT 500, 1 NSU 500, 1 Yamaha XT 250 und ein einziger Vierzylinder, die Suzuki RG 500. Die alten SRXen haben keinen E-Starter und sind deshalb eigentlich reine Männersache geblieben. Drei Damen steuerten E-Starter bestückte Modelle der 2. Generation ans Treffen. Unter den Teilnehmern weilen auch Bärbel und Norbert Wagner aus Buseck die sich mit Direktimport aus Japan sehr um die SRX bemühen. Seit Yamaha die Produktion der 600er Variante eingestellt hat, suchen die Wagners in Japan Gebrauchte, um sie in ihrer Werkstätte aufzufrischen. Das 400er Modell findet hierzulande keinen Anklang, sie ist zu schwach und zu teuer.

Abends sitzen wir in gemütlicher Stimmung mit Bier und Steak oder Wurst vom Grill ums Lagerfeuer. Jürgen Buhr und seine Freunde haben super gearbeitet. Alles ist perfekt vorbereitet, es mangelt an nichts. Die Holländer entpuppen sich als wahre Sprachgenies. Übergangslos fallen sie vom Holländischen ins Englische, ins Deutsche oder gar ins Flämische. Sie schwärmen von "ihrem" Treffen in Schoorl an der Nordseeküste, das vom 10. bis 12. September stattfindet. Einen Schlafplatz offeriert mir netterweise Thomas aus Dortmund in seinem Zelt. Als unbedarfter Neuling hatte ich kein Zelt dabei, aber wenigstens eine Schlafsack.

Yamaha SRX der 2. Generation von Norbert Wagner

Der Sonntagmorgen begrüsst uns mit Regen. Auf dem Heimweg in den Süden hört dieser nach wenigen Kilometern auf und der Himmel klärt auf.

Das Treffen hat mir sehr gut gefallen, ich hoffe meine 10jährige SRX hält noch ne Weile und bringt mich vielleicht sogar mal nach Holland.
Siehe auch Diverses unter Töff.

Touren-Info
Tourziel: Schwarzwald, Mosel- und Rheintal, SRX-Treffen in Niederbreitbach bei Neuwied/D
Distanz, Dauer: 1600 km, 4 Tage

Strecke
Waldshut Titisee Furtwangen Triberg Wolfach Bad Rippoldsau Baden Baden Rastatt Kandel Landau Rinnthal Kaiserslautern Lauterecken Idar Oberstein Morbach Trier Moseltal Koblenz Bingen Koblenz Neuwied Niederbreitbach

Sehenswürdigkeiten
Furtbach: Uhrenmusem
Triberg: Höchste Wasserfälle Deutschlands
Gutach: Freilichtmuseum Vogtsbauernhof
Trier: Altstadt mit Porta Nigra aus der Römerzeit, Dreikönigshaus, Hauptmarkt, Frankenturm
Moseltal: Sehenswert sind die Weinberge, die Ortschaften Bernkastel-Kues, Beilstein und Cochem, das ehem. Kloster Marienburg und die Burg Eltz
Koblenz: Deutsches Eck, Stiftskirche St. Kastor, Jusuitenplatz,
Rheintal: Hier ist der Rhein am Schönsten, Weinberge, und Burgen säumen den Weg an beiden Ufern, Weingüter und Weinproben allerorten

Reiseführer
Michelin Deutschland

Karte
Hallwag, Deutschland Süd 1:500'000

SRX-Connection BRD, Jürgen Buhr, Rabental 1, D-56588 Waldbreitbach
SRX-Connection NL, René Post, Gemaal 78, NL-1613 AP Grootebroek


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Text und Bilder Robert Pfeffer
CH-8194 Hüntwangen

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