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Pantheon Basel
Sonderausstellung Zweirad
9.4. - 9.10.2011

Klassik

Mercedes 300 S

Mercedes 300 S

Pantheon

Das kreisförmige Pantheon

Horch

Horch

MG

MG

Alvis

Alvis

Packard

Packard
Messerschmitt, Honda Monkey, BMW Isetta

Von links: Messerschmitt, Honda Monkey, BMW Isetta

Velos, so weit das Auge reicht

Velos, so weit das Auge reicht

Brough Superior SS 100

Brough Superior SS 100

Universal mit JAP Motor, Vincent Black Shadow auf dem Podest

Universal mit JAP Motor, Vincent Black Shadow auf dem Podest

MV Agusta, Vespa, Moto Guzzi, Lambretta

MV Agusta, Vespa, Moto Guzzi, Lambretta

Honda CB750, BSA Rocket 3, MV Agusta 750 S, Yamaha TZ750

Meilensteine unter sich: Honda CB750, BSA Rocket 3, MV Agusta 750 S, Yamaha TZ750

Die Ikone: Triumph Bonneville aus den 1960er Jahren

Die Ikone: Triumph Bonneville aus den 1960er Jahren

MV Agusta 750 S, Yamaha TZ750, auf dem Podest die Sechzylinder Kawasaki 1300

MV Agusta 750 S, Yamaha TZ750, auf dem Podest die Sechzylinder Kawasaki 1300

Yamaha XT500, BSA Gold Star 500 und BMW G/S 800

Die Enduro-Meilensteine: Yamaha XT500, BSA Gold Star 500 und BMW G/S 800

Die Supersportler: Suzuki GSX-R 750 und Ducati 916

Die Supersportler: Suzuki GSX-R 750 und Ducati 916

Töff & Co.

Motorräder sind relativ billige, kurzlebige Industrieprodukte. Sie hätten nach einigen Jahren Gebrauch zerlegt und verschrottet werden müssen. Dass Sie nun diese Ausstellung besuchen können, ist dank der unglaublich vielen Gefühle möglich, die seit den ersten Tagen seiner Existenz in dieses simple Fahrzeug hineingelegt wurden.

Das erste Motorrad wurde von Louis-Guillaume Perreaux in Paris gebaut und am 16.März 1869 zum Patent angemeldet. Es ist mit einer kleinen Dampfmaschine ausgerüstet, eine zierliche Maschine, die heute im Musée de l'Ille de France zu sehen ist. In den ersten Jahrzehnten seiner Existenz glichen die verschiedenen Motorrad-Versuche genialer Konstrukteure meistens einer zierlichen Dampflokomotive auf zwei oder drei schmalen Rädern.

Das erste Serienmotorrad, von der Münchner Firma Hildebrand & Wolfmüller hergestellt, wurde ab 1894 bis 1897 zweihundert Mal verkauft. Das erste Schweizer Motorrad wurde 1895 von Karl Bleidorn in Arbon konstruiert, an der Landesausstellung in Genf 1896 vorgestellt, aber nie in Serie gebaut, es war ein zierliches Fahrzeug mit einem liegenden Einzylinder-Petrolmotor, Antrieb über Schubstange, wie bei einer Dampflok. Erst die Formel "Modernes Fahrrad + schnellaufender Benzinmotor = praktisches Motorrad" brachte den Durchbruch. Zürcher & Lüthi aus St Aubin verkauften ab 1899 geeignete "Zedel"-Motoren nach ganz Europa. Die Manufakturen schossen wie Pilze aus dem Boden. Die Gebrüder Dufaux aus Genf verdienten ein kleines Vermögen mit ihren "Motortaschen", mit denen man, in einem Fahrradrahmen eingehängt, in wenigen Minuten ein Motorrad herbeizaubern konnte. Viertausend sollen sie innerhalb eines Jahrzehnts verkauft haben.

Nach den Ersten Weltkrieg wurde das Motorrad das Fahrzeug der Facharbeiter, der Angestellten und der Familien. Sie besassen mit dem Motorrad oder Gespann ein Fahrzeug, das viel Freude bot und wenig Unterhalt benötigte.

Das goldene Zeitalter des Motorrades waren die Jahre zwischen 1920 und 1939. In dieser Zeit waren auf den Schweizer Strassen fast so viele Motorräder unterwegs wie Automobile. Auf den meist improvisierten Rennstrecken fanden sich Zehntausende ein. Motorradrennen wurden in allen Gegenden Europas als Volksfeste gefeiert.

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg halfen die kleinen, sparsamen Motorräder, die Menschen Europas wieder mobil zu machen. Es war die hohe Zeit der Roller, des Autos auf zwei Rädern. Die englischen Traditionsfabriken boten fantastische grosse Motorräder an, mit Leistung wie die Renner der Vorkriegszeit und mit entsprechenden Emotionen behaftet.

Aber in den sechziger Jahren wurden Automobile derart günstig, dass viele Motorradfahrer das Fahrzeug wechselten. Hohe Versicherungsprämien und sozialer Druck erledigten den Rest. Das grosse Motorrad wurde vergessen, wenn nicht gar verachtet.

Der japanische Industrielle Soichiro Honda erkannte den hohen Freizeitwert des Motorrades und baute schnelle, zuverlässige und formschöne Motorräder für eine neue Kundschaft. Sein Modell "Honda 750 Four" wurde zum Symbol der Wiedergeburt des Motorrades in seiner schnellen Form. In Italien wurden neue Modelle entwickelt, die Weltmeisterschaften gewannen. Eine neue Generation stieg auf das Motorrad, Spass hatten sie genauso wie ihre Vorfahren, aber sie fuhren viel schneller.

Für uns war und blieb das Motorrad immer ein Symbol von Freiheit. Es war unser Pegasus, seine Magie versprach uns reitend hinter ferne Horizonte zu gelangen und echte Abenteuer zu erleben. Wenn Sie diese Ausstellung besuchen, steht vor Ihnen eine Auslese von Fahrzeugen, die Emotionen weckt. Die meisten ihrer Besitzer fahren sie immer noch, aus purer Freude am Fahren.

Es gibt für viele Menschen keine schönere Art des Reisens als die auf zwei Rädern. Wenn ich an manche meiner Motorradfreunde denke, die in ihrem achten Lebensjahrzehnt stehen, hoffe ich dass wir noch viele Jahre offene Landstrassen vor uns haben.

Damit die Schweizer Töff-Geschichte weiterlebt und die Legenden nicht traurig in düsteren Garagen mit platten Reifen herumstehen müssen, wurde 1974 ein Verein gegründet, der sich in aller Einfachheit "Freunde alter Motorräder" nennt. Wenn Sie diese Ausstellung gesehen haben, haben Sie einen Einblick bekommen, was alles gesammelt, geschraubt und gefahren wird. Fast dreitausend Liebhaber gibt es schweizweit, in Regionen gut organisiert, eine Rennsektion, eine Sektion für die kleinen Töffli, eine Velogruppe, mit Bibliothek und www.fam-amv.ch. Die FAM'ler haben mit viel Vergnügen an dieser Ausstellung mitgearbeitet. Wenn unsere Liebhaberei Sie anspricht, sind Sie beim FAM herzlich willkommen.

Text Thomas Kohler

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Fotos Robert Pfeffer
CH-8194 Hüntwangen

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