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Im Oktober 1992 schrieb ich für
Moto
Sport Schweiz
Ein ganz besonderes Souvenir brachte
Kollege Kurt aus den Sommerferien 1990 von Portugal mit:
eine Töffruine die auf den wohlklingenden Namen
"Matchless" hörte. In Portugal unterwegs, wurde Kurt
bald etlicher Oldtimer gewahr. Das Jagdfieber flammte auf
und ruhte nicht eher, als bis ein rares Stück gefunden
wurde. Zwar weder Gold Star noch Velocette Thruxton, aber
immerhin eine 500 ccm Einzylinder Matchless 1956 mitsamt
Papieren. Es sollte zwei Jahre und hunderte von
Arbeitsstunden dauern, bis der Dampfhammer in makellosem
Zustand seinen zweiten Lebensabschnitt antreten durfte.
Verfolgen wir die Wiedergeburt am Lauf der
Jahreszeiten.
Sommer 1990
Die Matchless wird an ihrem Fundort in Porto in die
Hauptbestandteile zerlegt und im PW-Kofferraum in die
Schweiz geführt. Eine Woche nach den Ferien wird die
Maschine im Zollfreilager Zürich ordnungsgemäss
verzollt. Nun beginnt die grosse Zerlegung. Der arg
verschlissene Zustand der Innereien lässt auf eine
langwierige Restauration schliessen.
Herbst 1990
Die zerlegte Maschine wird sortiert in Brauchbares und
Unbrauchbares. Rahmen und Schwinge scheinen ok zu sein, sie
erhalten Strahlbehandlung und neue Farbe. Das Getriebe ist
von allen mechanischen Aggregaten in bestem Zustand und muss
nur neu gelagert werden.
Winter 1990/91
Die schwierige Herzoperation beginnt. Die Dampfhammerwelle
ist defekt: der Pleuelzapfen dreht sich in den Hubscheiben.
Dieser Zapfen ist beidseits in die Hubscheiben gepresst und
zusätzlich verschraubt. Der Pleuel dreht sich auf
diesem delikaten Zapfen mittels Rollenlager. Ein neuer
Hepolite Kolben und Ventilfedern konnten rasch gefunden
werden. Weiters liess Kurt die Ventilsitze erneuern und
drehte selbst neue Ventilführungen,
Kipphebelbüchsen und
Kurbelwellenlagerbüchse.
Frühling 1991
Noch mehr Arbeit für die Drehbank, Kurt fertigt
Büchsen für die Schwingenlagerung und verpasst der
Telegabel ein Paar neue Holmen. Eine Gabelfeder war
gebrochen, Ersatz nicht zu beschaffen, es mussten
ältere rein, die aber kürzer waren. Distanzringe
besorgen nun den Längenausgleich. Beide Räder
erhielten neue Akront Felgen, in die Naben passte Kurt neue
Kegelrollenlager und fertigte auch gleich neue
Radachsen.
Sommer 1991
Reise nach England. Die Ausbeute dieser Fahrt:
Kurbelgehäuse mit Welle, Zylinderkopf, Seitendeckel,
Sitzbank, BSA Lichtmaschine, 1 Satz BA Gewindebohrer und
eine AJS Reparaturanleitung. Zu Hause stellt sich heraus,
dass auch diese Welle defekt ist. Kurt gelingt es aber, in
Zürich einen ganzen Matchless Motor zu erwerben. Dieser
Motor ist allerdings Jahrgang 1948, doch der Pleuelzapfen
ist ok und passt in den neueren Motor.
Herbst 1991
Sämtliche Motorenbestandteile liegen bereit zum
Zusammenbau. Aus einem Moto Guzzi Reibungsdämpfer
entsteht ein Matchless Lenkungsdämpfer.
Winter 1991/92
Kurt montiert die Maschine im Rohbau um "Designstudien"
anzustellen. Doch, oh Schreck, der Rahmen erweist sich als
verzogen. Kurt greift zum Schweissbrenner und richtet die
Unterzüge, aber nicht genug damit, die anschliessend
eingesetzten Räder zeigen in verschiedene Richtungen,
der Steuerkopf ist ebenfalls krumm. Der Rahmen musste doch
noch in eine Richtwerkstatt. Kurt betätigt sich als
Spengler, Schutzbleche, Werkzeugkasten, Seitenbleche,
Primärkasten, Lenker, alles will repariert oder
erneuert werden. Schalldämpfer und hintere Fussrasten
wandern ein paar Zentimeter höher.
Frühling 1992
Multitalent Kurt als Maler. Mit Ausnahme des
Klarlacküberzugs führt er alle Malerarbeiten
selbst aus. Das gekonnte, symmetrische ziehen der Goldfilets
an Tank und Schutzblechen sind ein Highlight seines
Könnens!
Sommer 1992
Noch ein neuer Kabelbaum und fertig! MFK Termin an einem
Augusttag bei strömendem Regen. Der Experte
bemängelte lediglich das fehlende Katzenauge und den
nicht entstörten Kerzenstecker. Beim zweiten Anlauf
klappte auch das.
Am 27. September durfte der Schreibende
Kurt zum FAM Treffen in Mümliswil SO begleiten. Welch
sagenhafter Sound! den ganzen Tag hätt' ich mit meiner
"Nähmaschine" hinterherfahren mögen!
Höhepunkte dieser
Restauration
Kurt
- baute aus drei alten Smith Tachometern einen
chronometrischen Drehzahlmesser samt Abtrieb vom
Zündmagnet.
- kreierte stilechtes Zifferblatt, auf der Drehbank
geeicht.
- fertigte alle Schrauben und Muttern neu mit Original
Cycle- BA- oder BSF Gewinde.
- bohrte den Original Amal Vergaser aus und fertigte
einen neuen Schieber aus dem Vollen.
- modifizierte den Anker der BSA Lichtmaschine so, dass
er in die Matchless Maschine passt.
Trotz grossem Geschick und eigenen
Werkzeugmaschinen war Kurt auf fremde Hilfe angewiesen, sein
Dank gilt den untenstehenden Firmen.
Beteiligte Firmen
Callara Elio, 8004 Zürich, Zylinderschleifwerk
Wolf
Eicher, 6314 Unterägeri, Motorräder
Pozzi Joseph, 8005 Zürich, Motorräder
Stucki, 8716 Schmerikon, Richtwerkstatt
Weilenmann, 8008 Zürich, Zylinderschleifwerk
Diese Matchless-Auferstehung verdanken
wir einem Töffahrer, der mit grossem Geschick und
unbeirrbarem Willen seine Ideen vom klassischen Motorrad in
die Tat umsetzte.
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