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Kurt
Seine Oldtimer

Klassik

Auf dem Gotthard, 1973

Vorderrad Matchless

Wir lernten uns 1965 im damaligen Honda Club Zürich kennen. Wir frästen beide mit der CB72 durch die Lande. Tausende von Kilometern legten wir auf unvergessenen Touren zurück. Heute sehen wir uns weniger, aber das Thema Töff wird uns noch lange verbinden. Auf dem Bild oben posiert er 1973 mit meiner Frau auf dem Gotthard.

Kurt ist ein begnadeter Handwerker, ja, Künstler müsste man sagen. Seine restaurierten Engländer sind schöner und besser als neu. Die oben abgebildete Kawasaki H2 von 1973 steht leider nicht mehr in seiner Garage.

Hinterrad Matchless

Im Oktober 1992 schrieb ich für Moto Sport Schweiz

  • Souvenir aus Portugal

    Restauration einer Matchless Einzylinder Jahrgang 1956

Ein ganz besonderes Souvenir brachte Kollege Kurt aus den Sommerferien 1990 von Portugal mit: eine Töffruine die auf den wohlklingenden Namen "Matchless" hörte. In Portugal unterwegs, wurde Kurt bald etlicher Oldtimer gewahr. Das Jagdfieber flammte auf und ruhte nicht eher, als bis ein rares Stück gefunden wurde. Zwar weder Gold Star noch Velocette Thruxton, aber immerhin eine 500 ccm Einzylinder Matchless 1956 mitsamt Papieren. Es sollte zwei Jahre und hunderte von Arbeitsstunden dauern, bis der Dampfhammer in makellosem Zustand seinen zweiten Lebensabschnitt antreten durfte. Verfolgen wir die Wiedergeburt am Lauf der Jahreszeiten.

Sommer 1990
Die Matchless wird an ihrem Fundort in Porto in die Hauptbestandteile zerlegt und im PW-Kofferraum in die Schweiz geführt. Eine Woche nach den Ferien wird die Maschine im Zollfreilager Zürich ordnungsgemäss verzollt. Nun beginnt die grosse Zerlegung. Der arg verschlissene Zustand der Innereien lässt auf eine langwierige Restauration schliessen.

Herbst 1990
Die zerlegte Maschine wird sortiert in Brauchbares und Unbrauchbares. Rahmen und Schwinge scheinen ok zu sein, sie erhalten Strahlbehandlung und neue Farbe. Das Getriebe ist von allen mechanischen Aggregaten in bestem Zustand und muss nur neu gelagert werden.

Winter 1990/91
Die schwierige Herzoperation beginnt. Die Dampfhammerwelle ist defekt: der Pleuelzapfen dreht sich in den Hubscheiben. Dieser Zapfen ist beidseits in die Hubscheiben gepresst und zusätzlich verschraubt. Der Pleuel dreht sich auf diesem delikaten Zapfen mittels Rollenlager. Ein neuer Hepolite Kolben und Ventilfedern konnten rasch gefunden werden. Weiters liess Kurt die Ventilsitze erneuern und drehte selbst neue Ventilführungen, Kipphebelbüchsen und Kurbelwellenlagerbüchse.

Frühling 1991
Noch mehr Arbeit für die Drehbank, Kurt fertigt Büchsen für die Schwingenlagerung und verpasst der Telegabel ein Paar neue Holmen. Eine Gabelfeder war gebrochen, Ersatz nicht zu beschaffen, es mussten ältere rein, die aber kürzer waren. Distanzringe besorgen nun den Längenausgleich. Beide Räder erhielten neue Akront Felgen, in die Naben passte Kurt neue Kegelrollenlager und fertigte auch gleich neue Radachsen.

Sommer 1991
Reise nach England. Die Ausbeute dieser Fahrt: Kurbelgehäuse mit Welle, Zylinderkopf, Seitendeckel, Sitzbank, BSA Lichtmaschine, 1 Satz BA Gewindebohrer und eine AJS Reparaturanleitung. Zu Hause stellt sich heraus, dass auch diese Welle defekt ist. Kurt gelingt es aber, in Zürich einen ganzen Matchless Motor zu erwerben. Dieser Motor ist allerdings Jahrgang 1948, doch der Pleuelzapfen ist ok und passt in den neueren Motor.

Herbst 1991
Sämtliche Motorenbestandteile liegen bereit zum Zusammenbau. Aus einem Moto Guzzi Reibungsdämpfer entsteht ein Matchless Lenkungsdämpfer.

Winter 1991/92
Kurt montiert die Maschine im Rohbau um "Designstudien" anzustellen. Doch, oh Schreck, der Rahmen erweist sich als verzogen. Kurt greift zum Schweissbrenner und richtet die Unterzüge, aber nicht genug damit, die anschliessend eingesetzten Räder zeigen in verschiedene Richtungen, der Steuerkopf ist ebenfalls krumm. Der Rahmen musste doch noch in eine Richtwerkstatt. Kurt betätigt sich als Spengler, Schutzbleche, Werkzeugkasten, Seitenbleche, Primärkasten, Lenker, alles will repariert oder erneuert werden. Schalldämpfer und hintere Fussrasten wandern ein paar Zentimeter höher.

Frühling 1992
Multitalent Kurt als Maler. Mit Ausnahme des Klarlacküberzugs führt er alle Malerarbeiten selbst aus. Das gekonnte, symmetrische ziehen der Goldfilets an Tank und Schutzblechen sind ein Highlight seines Könnens!

Sommer 1992
Noch ein neuer Kabelbaum und fertig! MFK Termin an einem Augusttag bei strömendem Regen. Der Experte bemängelte lediglich das fehlende Katzenauge und den nicht entstörten Kerzenstecker. Beim zweiten Anlauf klappte auch das.

Am 27. September durfte der Schreibende Kurt zum FAM Treffen in Mümliswil SO begleiten. Welch sagenhafter Sound! den ganzen Tag hätt' ich mit meiner "Nähmaschine" hinterherfahren mögen!

Höhepunkte dieser Restauration

Kurt
- baute aus drei alten Smith Tachometern einen chronometrischen Drehzahlmesser samt Abtrieb vom Zündmagnet.
- kreierte stilechtes Zifferblatt, auf der Drehbank geeicht.
- fertigte alle Schrauben und Muttern neu mit Original Cycle- BA- oder BSF Gewinde.
- bohrte den Original Amal Vergaser aus und fertigte einen neuen Schieber aus dem Vollen.
- modifizierte den Anker der BSA Lichtmaschine so, dass er in die Matchless Maschine passt.

Trotz grossem Geschick und eigenen Werkzeugmaschinen war Kurt auf fremde Hilfe angewiesen, sein Dank gilt den untenstehenden Firmen.

Beteiligte Firmen
Callara Elio, 8004 Zürich, Zylinderschleifwerk Wolf
Eicher, 6314 Unterägeri, Motorräder
Pozzi Joseph, 8005 Zürich, Motorräder
Stucki, 8716 Schmerikon, Richtwerkstatt
Weilenmann, 8008 Zürich, Zylinderschleifwerk

Diese Matchless-Auferstehung verdanken wir einem Töffahrer, der mit grossem Geschick und unbeirrbarem Willen seine Ideen vom klassischen Motorrad in die Tat umsetzte.

Bei Glattfelden

Glattfelden

Vor der Garage

Garage

Garage

Unterwegs zu einem FAM-Anlass.

Panther unrestauriert

Oktober 1992, Panther 600 noch unrestauriert.

Oberhittnau August 1998

Oberhittnau August 1998

Korso Oberhittnau 1998

Korso Oberhittnau 1998

Norton

Sommer 1996, mit der Norton bei Sternenberg.


Mit der Restauration dieser Velocette Venom erfüllte sich Kurt einen alten Traum. Sie ist ein weiteres Beispiel seiner unvergleichlichen Handwerkskunst. Venoms sind 500 ccm Einzylinder und datieren aus den 50er- und 60er-Jahren. Das 350 ccm Parallelmodell hiess Viper.


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Text und Bilder Robert Pfeffer
CH-8194 Hüntwangen

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