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Ausfahrt in die Auvergne
1.6.-4.6.2000

Fotogalerie Auvergne


Zwei Postkarten aus der Gegend des Puy de Dôme

Ungewöhnlicher Bericht zur Ausfahrt vom 1.6.-4.6.2000

Prolog
Am 7. Juni 1996 gibt ein Türkischer Armeesprecher der Sektion Ost bekannt, dass am Fuss des Berges Ararat, bei heftigen Gefechten zwischen der Armee und kurdischen Rebellen auch unbeteiligte Zivilisten ums Leben kamen.

Der Feigenbauer Achim S. hinterlässt eine Frau, Fatima, und zwei erwachsene Söhne, Achmed und Hussein. Das Innenministerium verweigert der Witwe Fatima eine Rente. Achim S. ist aktenkundig als Agent der kurdischen Freiheitspartei.

Mitte Oktober 1996 treffen Fatima und ihre Söhne in der Bundesrepublik Deutschland ein. Ali, ein Schwager Fatimas hat den Umzug mit Hilfe weiterer Familienmitglieder organisiert. Achmed und Hussein finden eine Anstellung bei Fichtel und Sachs in Schweinfurt. Kaum hat sich die Familie in Schweinfurt niedergelassen, nimmt sich der Bund "Gesundheit für Alle" ihrer an. Professor Klaus Beimer von der Universität Essen implantiert Fatima ein neues Gebiss mit dem sie schon nach wenigen Wochen auch zähestes Schaffleisch kauen kann. Achmed, der beim Bau einer do-it-yourself Landmine, die linke Hand verlor, wird der Obhut von Professor Ferdinand Sauerbruch übergeben. Sauerbruch, eine Koryphäe auf dem Gebiet der Orthopadie, baut gerade seine ersten Vorserienmuster intelligenter Ersatzglieder. Die höchst komplexen Bewegungen von Hand und Finger stellen Sauerbruch und sein Team vor enorme Schwierigkeiten. Softwarebugs und feinmechanische Unzulänglichkeiten sind an der Tagesordnung.

Immerhin, Achmed wird mit seiner linken "Hand" derart geschickt, dass er ab dem 1. Januar 1997 anspruchsvolle Montagetätigkeiten in der ABS-Sensormodul-Fertigung übernehmen kann.

2. Mai 1997, Audi ruft 22'345 Modelle A4 und A& zurück. Die ABS-Sensormodule müssen überprüft werden.

11. November 1997, Kim Philby, ein Engländer der seit Jahrzehnten für die Sowjetunion spioniert, besucht die Witwe Fatima. Seine Botschaft: Die kurdische Freiheitspartei prüft den Einsatz von geländegängigen Motorrädern.

14. Januar 1998, Fatima und ihre Söhne ziehen in eine 2-Zimmerwohnung in Berlin-Spandau. Achmed und Hussein finden Arbeit in der BMW-Motorradfabrik. Achmed wird in der Getriebefertigung und Hussein in der Motorenmontage beschäftigt. Beide werken unter der Obhut Deutscher Facharbeiter. Montagechef Hans-Harald G. ist oft abwesend. Mit 42 ist er bereits sehr besorgt um seine Pensionierung. Nur eine lückenlose Krankheitsgeschichte stellt sicher, dass er mit 50 frühpensioniert wird. Hussein hat damit keine Probleme, die von ihm montierten Motoren passieren stets erfolgreich die Endkontrolle.

Die Fehlfunktionen von Achmeds linker "Hand" führen in unregelmässiger Folge zu inkorrekt montierten Getrieben. Der Projektausschuss "Mehr Charakter für BMW-Motorräder" hat diese Getriebe geprüft, für gut befunden und mit einer internen Projekterweiterungsnummer versehen. Dieser Projektausschuss steht unter der Leitung des genialen Dr. Fritz Zahn der schon in den Sechziger Jahren die Härteöfen mit Zufallszahlen aus einem DEC Computer PDP 11/70 fütterte. Diese Massnahme resultierte in einigen falsch gehärteten Teilen pro Serie. Pech hatte der R60/5 Fahrer Robert P. aus der Schweiz, der gleich zwei solcher falsch gehärteter Teile in seiner Maschine vorfand. Laut Dr. Zahn tritt dies theoretisch nur bei jeder 13'465. Maschine auf.

1. April 2000, eine schwarze BMW R1150GS mit der internen Projekterweiterungsnummer XX000000-030670-RW wird an Müller+Jussel in die Schweiz geliefert.

Eine wahre Geschichte
Nach dieser langen Vorgeschichte kommen wir nun endlich zu einer wahren und kurzen Geschichte die sich erst vor wenigen Tagen zugetragen hat.

Vierzehn unerschrockene und jung gebliebene Töffahrer eines steinalten Clubs begaben sich über die Auffahrt mit zwölf Motorrädern ins ferne Ausland. Sie fürchteten weder Hunger noch Durst, weder Hitze noch Regen, weder profillose Reifen noch trockene Tanks, weder Gendarmen noch Radarfallen.

Der Ritt von Zürich nach Thiers bei Clermont-Ferrand verlief praktisch ereignislos. Jeder fand das Ziel, keine abfliegenden Peugeots kreuzten den Weg, kein Plattfuss, nichts das in der Chronik vermerkt werden müsste.

Einzelne müssen aber gelitten haben. Die Folgen der langen Anreise zeigten sich deutlich am nächsten Tag.

Das von der Tourenleitung gewählte Hotel schien allen zu gefallen. Beim abendlichen Buffet-Plausch unterhielt Roland seine Kollegen mit technischen Erläuterungen und Zahlenmaterial seines GPS. Die erreichte Durchschnittsgeschwindigkeit von mehr als 80 km/h auf 600 km ist beachtlich.

Gleich mehrere ungeschriebene Club-Gesetze missachteten zwei Kollegen an den beiden folgenden Tagen: Sie starteten auf die Minute zur vorgesehenen Tour, kürzten diese nicht ab, verbrachten nicht zwei Stunden beim Mittagessen, hielten bei Stoppstrassen richtig an und klagten nie über Schmerzen und Müdigkeit.

Freitags besuchten sie die Gegend um den 1465 m hohen Puy de Dôme, südwestlich von Clermont-Ferrand gelegen. Um die Mittagszeit registrierten die Messtellen auf dem Gipfel eine ungewöhnliche Druckwelle, die sich mit hoher Geschwindigkeit entlang des Bergkegels ausbreitete. Eine kleine Gruppe von bergwärts fahrenden Ausländern machte erstaunte Gesichter als ihnen um diese Zeit schon zwei Motorrrad-Kollegen begegneten.

Samstags stand das abgelegene Gebiet um die Monts de Madeleine auf dem Programm. Den ganzen Morgen über begegneten den beiden Kollegen kaum ein Auto. Töffahren in Reinkultur.

Caros Ozeandampfer namens GSX-R 1100 zog dank vorderem Pirelli Slick, die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich. Am Samstag musste ein neuer Reifen her. Mit Andys Hilfe fand sich ein aufgestellter Typ, der zu günstigem Preis den neusten Battlax BT020 aufzog.

Leider muss der Chronist vermerken, dass Martin P. vermehrt über Müdigkeit und Schmerzen klagt, seit er BMW GS fährt. Auch eine junge Dame, deren Namen wir hier nicht nennen wollen, büsste als BMW-Sozia etwas von ihrer gewohnten Frische ein. Falls diese Tendenz anhält, lässt es sich nicht länger vertuschen, dass BMW fahren zu ernsthaften Gesundheitsschäden führen kann.

Eine andere junge Dame hinterliess nach der 600 km Tortur zwar einen hervorragenden Eindruck, will aber seltsame Geräusche von ihrer brandneuen BMW gehört haben. Regina durfte am Samstag einen runden Geburtstag feiern. Diesen Tag versüssten die Kollegen mit Schoggikuchen, einer entsprechenden Anzahl Kerzen und Erinnerungsfotos mit dem Geburtstagskind in ihrer Mitte.

Andererseits lässt es sich nicht von der Hand weisen, dass die Japan-Schrott-Reiter manchmal gleichgültig und nachlässig handeln. Tote Batterien, abgelatsche Reifen, lose Ketten und leere Tanks sind unter Ihresgleichen nichts ungewöhnliches. Insgesamt hinterliessen die BMWs einen gepflegteren Eindruck als die Reisbrenner. Michael S. zum Beispiel kontrolliert vor jeder Tour seine BMW aufs gründlichste. Martin P. startet seine GS nie ohne ausreichenden Oelvorrat mitsamt Trichter im Gepäck.

Die Sonntägliche Heimreise wurde mit nur vier Minuten Verspätung angetreten. Bei strahlendem Sonnenschein kurvte der Trupp durch die Auvergne in östlicher Richtung dem Jura zu. Andy ging schon in den ersten Minuten verloren. Welch geheime Route er eingeschlagen hat, ist noch Gegenstand von Ermittlungen. Das Feld befand sich AUF einer Brücke vor Cluny als Martin UNTER der Brücke passierte.

Majestätisch auf der GS trohnend, zog er brummend seines falschen Weges.

Er hat es geschafft gleich drei Cluny-Wegweiser zu übersehen. Bereits als weiteren Verlust abgehakt, rollte er eine Viertelstunde später das Feld von hinten auf. Wie von der Tarantel gestochen, schoss er gnadenlos an den langsameren Kollegen vorbei.

Ein letzter gemeinsamer Kaffee gegenüber dem Schloss von la Clayette, dann war es um den Club geschehen. Der Präsi leitete uns an einem Kreisel in die irre, Christian und Roland gingen verloren, Rosmarie und der Schreibende folgten unbeirrt der vorgesehenen Route.

Epilog
13.3.2003, John Bloor wird neuer Britischer Premier.

1. Januar 2008, Kawasaki ist der letzte japanische Hersteller der seine Entwicklungsabteilung mit einer NMBJJ-Abteilung* ergänzt.
* No More Boring Japanese Junk

24. August 2015, Der BMW Vorstandsvorsitzende Michael Schuhmacher eröffnet feierlich das neue BMW Motorradwerk auf der Insel Mallorca. Im Jahresdurchschnitt sollen sich auf den Balearen mehr deutsche Facharbeiter aufhalten als in den Bundesländern Bayern und Brandenburg zusammen.

5.6.2000
Robert Pfeffer

Unterwegs im Zentralmassiv
Stausee in der Nähe von St. Georges en Couzan, südöstlich von Thiers.

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Text und Bilder Robert Pfeffer
CH-8180 Bülach

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